Die Königin-Luise-Stiftung  

Am 19.7.1810 stirbt die Königin mit 34 Jahren, tief betrauert von den Menschen aller Schichten. Ein Aufruf ergeht, "zu ihrem Denkmal und als ihr Vermächtnis... eine Bildungsanstalt für weibliche Erzieherinnen" zu stiften, die ihren Namen tragen sollte.

Die Königin hatte an sich selbst erfahren müssen, wie unzulänglich und oberflächlich die Ausbildung war, die man Frauen in der damaligen Zeit zugestand.Ein Jahr später am 19.7.1811 wird die Luisenstiftung in Berlin eröffnet. Spenden und Zuschüsse aus den einzelnen preußischen Provinzen sichern die Einrichtung, die Erzieherinnen erhalten ihre Ausbildung unentgeltlich. Seit 1907 ist sie in der Podbielskiallee untergebracht.

Steigende Ansprüche werden an die Ausbildung gestellt, Art und Zahl der Unterrichtsstunden wachsen: So kommt 1844 zum Französischen Englisch, zu den Tanzstunden Turnunterricht, zur "Weltgeschichte" 1878 Kunstgeschichte. Selbständige Denktätigkeit soll durch akademisch gebildete Männer gefördert werden.
Ab 1877 bekommt die Stiftung das Recht Prüfungen abzuhalten zur Erlangung der Lehrbefähigung an Volks-, Mittel- und höheren Mädchenschulen. 1928 erhält die Schule den Charakter eines Oberlyzeums, die Lehrerausbildung findet nun an staatlichen Akademien statt.Seit 1901 heißt die Schule Königin-Luise-Stiftung. Bis zur Einführung der Kleiderkarte nach dem 2. Weltkrieg trägt man die einheitliche Stiftungstracht, um "den übermäßigen Toilettenluxus" zu steuern. Ostern 1933 werden erstmalig externe Schülerinnen aufgenommen. Während des Krieges muss das Internat evakuiert werden.Im Mai 1945 jedoch kommt die Weisung, dass die Schulen wieder mit dem Unterrichten beginnen sollen, der Internatsbetrieb darf kurz darauf wieder aufgenommen werden.

Schülerinnen und Lehrerinnen schleppen das Nötigste zusammen: Prunkstücke sind wacklige Korbstühle, ein altes rotes Plüschsofa, ein kleiner Kanonenofen und das Goethebild.

Ähnlich wie bei der Gründung stehen wieder soziale Zwecke im Vordergrund: Kriegswaisen, Flüchtlingskinder, Töchter alleinstehender Mütter werden sorgfältig betreut. Das diakonische Werk hilft über existenzielle Notzeiten hinweg.
 
1955 wird der "Verein der Freunde zur Förderung der Schulen der Luisenstiftung" gegründet.
 
1953 Schaffung der Grundschule mit sechs Klassenstufen.

1956 wird die Koedukation eingeführt.

1982 wird die Realschule staatlich anerkannt.Sie wird notwendig, weil sich nicht alle Kinder der Grundschule und des Internats für das Gymnasium qualifizieren können. Mit der Schaffung der Realschule bleibt das Internat für die Kinder weiterhin ihre eigentliche Heimat.Neue Fachräume müssen gebaut werden. 1985 wird der Grundstein zum Neubau gelegt.

Mit der Gründung der Realschule hat die Königin-Luise-Stiftung einen entscheidenden Schritt in Richtung auf ein in Berlin bisher noch nicht vorhandenes pädagogisches Modell getan.
 
So kann vielleicht das Fontane-Wort noch gelten:

 "Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben."


 
 

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