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„Puh! Ein Glück, dass ich heute nicht mit dem Fahrrad fahre."
Es ist halb sieben Uhr am Morgen. Ich stehe vor dem Haus und warte auf meinen Patenonkel, der mich gleich mit zur Arbeit nimmt. Denn heute ist Girls' Day. Ich gehe ins Klinikum Neukölln, wo mein Patenonkel Reinhold Chefarzt ist. Als er nun kommt, steige ich schnell ein und wir fahren los. Auf der Fahrt reden wir über den heutigen Tag und er erzählt mir, dass wir zuerst eine Röntgenbesprechung besuchen werden.
In seinem Büro bekomme ich einen weißen Kittel, der mir viel zu groß
ist, und wir gehen in den Konferenzsaal, wo schon drei Ärzte und eine
Schwester warten. Nach uns huschen noch zwei Mädchen und ein Mann herein
und die Besprechung kann beginnen. Bei all den Fachausdrücken und
Krankheiten verstehe ich nicht viel und bin froh, als die Konferenz
vorbei ist.
Nach der Besprechung erfahre ich, dass auch die Tochter des
Oberarztes und ihre beste Freundin wegen des Girls' Days hier sind. Die
beiden heißen Seraija und Besika. Während Reinhold zurück in sein Büro
geht, schließe ich mich dem Oberarzt, Seraija und Besika an, die in den
OP gehen. Auf dem Weg zur Schleuse, durch die man gehen muss, wenn man
in den OP will, treffen wir die Oberschwester, die uns drei mit durch
die „Damenschleuse" nimmt. Als ich die Tür aufstoße, sehen wir, dass die
Schleuse nicht nur ein Gang ist, sondern eine Art Garderobe. Hier
müssen wir grüne OP-Kleidung anziehen und unsere Hosen, Schuhe und
T-Shirts in Spinden zurücklassen. Danach zeigt uns die Schwester, wie
wir unsere Haare unter eine Haube bekommen und einen Mundschutz anlegen
können. Dann endlich können wir die Schleuse verlassen und in Saal 2
gehen.
In Saal 2 wird gerade alles für eine Operation, bei der ein neues
Kniegelenk eingesetzt wird, vorbereitet. Eine Frau liegt narkotisiert
auf einer Liege. Der Oberarzt weist uns an, am Fußende der Liege auf
drei Hockern Platz zu nehmen. „Nun kann die OP ja beginnen!", scherzt
die Assistentin.
Zuerst reibt ein weiterer Arzt das Bein der 67-jährigen Frau mit
Jod ein, dann beginnt der schwierige Teil der Operation. Dr. S.
schneidet mit einem Skalpell das Knie auf und entfernt das Gewebe, das
über dem beschädigten Gelenk liegt. Nun schneidet er das Kreuzband und
zwei andere Bänder heraus. Als er am Kniegelenk zu sägen beginnt,
spritzt Blut auf, was der Anlass für ein leichtes Übelkeitsgefühl bei
mir und den anderen Mädchen ist. Alle anderen Ärzte und Schwestern
schauen belustigt, als Besika stöhnt: „Ein Glück, dass ich Lehrerin
werde."
Als wir uns vom ersten Schrecken erholen, wird die zwei Stunden dauernde
Operation eigentlich sehr interessant. Nach der Operation müssen wir
einen Kittel überziehen, damit an unsere OP-Kleidung keine Bakterien
kommen, während wir in der Cafeteria etwas essen gehen.
Als wir wieder in Saal 2 kommen, verbindet die Assistentin gerade
eine Wunde, während der Mann, der auf der Liege liegt, aus der Narkose
erwacht. Dr. V. erklärt uns, dass wir nicht viel verpasst haben, weil
dies nur einen kleine Operation gewesen sei. Ich schaue auf meine Uhr
und erschrecke, dass es schon halb eins ist, denn meine Mutter möchte
mich um halb drei abholen. Jetzt sagt Dr. S. mit sehr ernstem Gesicht:
„OK. Das war es erst einmal mit den OPs. Wir gehen zu einer zweiten
Röntgenkonferenz!" Nach der Konferenz kommt leider schon meine Mutter.
Das war ein toller Girls' Day.
Louisa 6b
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